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Die Geschichte der Waldenser

(Teil 1 von 6)

Wappen der Waldenser
Leuchter mit Umschrift:
„Lux lucet in tenebris“
(Das Licht leuchtet
in der Finsternis)

die Waldenser sind eine Buß- und Armuts-bewegung, die im mitleidslosen feuda-listischen Hochmittelalter, zwischen 1170 und 1176, innerhalb der katholischen Kirche in Südfrankreich entstanden ist und die einzige im Mittelalter gegründete Glaubens-gemeinschaft ist, die bis heute besteht.

Betrachtet man die im Mittelalter existierende Armut, so muss man zunächst zwischen unfreiwilligen und freiwilligen Armen unterscheiden.

Während unfreiwillige Armut als Unglück galt, das Betteln zum Lebensunterhalt als Verstoß gegen die bestehende Ordnung angesehen wurde und dieses Leben eine "erhöhte Gefahr für die Seele" darstellte, galt die freiwillige Armut als Möglichkeit der Reinigung des Geistes bzw. der Seele.

Diejenigen, die sich freiwillig für ein Leben in Armut entschieden, galten im Gegensatz zu den Unfreiwilligen nicht nur als Abbilder Jesu Christi, sondern sie verkörperten auch den "lebendigen, gegenwärtigen Christus". Ihre Armut sollte verdeutlichen, dass nicht materieller Besitz im Hinblick auf das Seelenheil des Einzelnen von Bedeutung ist, sondern nur die von den Aposteln vorgelebte Armut entscheidend ist und zur Tugend werden kann.

Petrus Waldes
Waldes auf dem Lutherdenkmal
in Worms

Benannt wurden die Waldenser nach ihrem Begründer, dem reichen Lyoner Kaufmann Petrus Waldes (* um 1140; † nach 1206).

An einem Sonntag um 1173 hörte Waldes auf der Straße das Alexiuslied1, eine Bekehrung zur apostolischen Armut und Nachfolge Christi, vor-tragen; davon aufgerüttelt, will Waldes nun christlich leben. Er befragt zwei ihm bekannte Kleriker und läßt sich von ihnen, da er kein Latein versteht, die Evangelien, den Psalter und andere Bibeltexte übersetzen.

Die Lektüre, besonders die von Matthäus 19, 16-26 "des reichen Jünglings2" beeindruckte ihn sehr und glaubte sie zu befolgen, indem er auf allen Besitz verzichtete und ihn den Armen schenkte, um selbst arm und bettelnd, barfuß wandernd, das Evangelium zu verkünden. Seine beiden Töchter schickte er ins Kloster, seine Frau, nachdem er sie versorgt hatte, verlässt er und zog mit seinen Anhängern, den "Armen von Lyon", als Wanderprediger umher.

 

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1 Alexiuslied = mittelalterliches Poem einer ursprünglich lateinisch verfassten Heiligenlegende. Es erzählt die Geschichte eines frommen jungen römischen Adeligen, Alexius von Edessa, der von den Eltern sehnlich erwünschte, spät geborene einzige Sohn. Alexius lässt sich vom Vater standesgemäß verheiraten, erklärt aber seiner jungen Frau in der Hochzeitsnacht, dass er die Ehe nicht vollziehen werde, sondern Gott dienen wolle. Er geht nach Syrien, wo er 17 Jahre als frommer Asket von Almosen lebt, bis er schließlich nach Rom zurückgelangt, nochmals 17 Jahre unerkannt als Bettler in seinem Elternhaus unter der Treppe von den Küchenresten lebt und nach seinem Tod dank eines selbstverfassten Berichts seines Lebens als eine heilige Person identifiziert und mit großem Zeremoniell bestattet wird.

2 Matthäus 19, 16-26:Frage eines Reichen nach dem ewigen Leben

17 Und als er auf den Weg hinausging, lief einer herbei, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Lehrer, was soll ich tun, damit ich ewiges Leben erbe? …...

21 … Eins fehlt dir; geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach!